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Essentieller Tremor

Der essentielle Tremor ist eine Tremor-Art die nicht als Symptom einer dahinterstehenden Krankheit, sondern isoliert auftritt. Essentieller Tremor zählt zu den häufigsten Bewegungsstörungen weltweit. Bei dieser Art Zittern, die auch familiärer Tremor genannt wird, sind primär die oberen Extremitäten betroffen, vor allem die Hände. Seltener können auch Kopf, Zunge oder Beine betroffen sein. Bei PatientInnen mit einem Kopfwackeltremor kann es so aussehen, als würden sie permanent nicken oder den Kopf schütteln.

Das Zittern ist beim essentiellen Tremor, anders als beim Parkinson-Tremor, in der Regel nicht in Ruheposition zu sehen, sondern dann, wenn eine gezielte Bewegung ausgeführt wird, z.B. das Greifen nach einem Glas, beim Essen oder beim Schreiben. Aber auch beim Halten von Gegenständen kann der sogenannte Haltetremor auftreten.

Der essentielle Tremor kann alle Altersgruppen betreffen; etwa 0,9% der österreichischen Bevölkerung leidet an einem essentiellen Tremor1. Bei den über 65-Jährigen sind es 4,6%2. Damit tritt die Erkrankung doppelt so oft auf wie die Parkinson-Krankheit.


Ursachen von essentiellem Tremor

Die Ursachen für essentiellen Tremor sind noch nicht völlig geklärt. Eine Vermutung ist, dass sich Nervenzellen im Kleinhirn (Cerebellum) verändern und somit den Tremor verursachen. Eine genetische Ursache ist auch nicht ausgeschlossen – Kinder, bei denen ein Elternteil an essentiellem Tremor erkrankt ist, erkranken zu 50% ebenfalls an der Bewegungsstörung.

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Welche Genveränderung jedoch die Ursache für die Weitergabe des essentiellen Tremors innerhalb von Familien ist, ist unbekannt. Auch gibt es Betroffene, bei denen niemand sonst in der Familie zittert. Daher wird auch diskutiert, dass Umwelteinflüsse mit dem Auftreten von essentiellem Tremor zu tun haben könnten, jedoch konnte auch in diesem Bereich noch nichts bestätigt werden.


Krankheitsverlauf

Der essentielle Tremor beginnt meist in einer Körperhälfte. Oft sind ein Arm und die Hand betroffen, im späteren Krankheitsverlauf breitet sich das Zittern dann auch auf die andere Hälfte des Körpers aus. Interessant ist die Tatsache, dass sich bei den meisten PatientInnen die Stärke des Tremors durch das Trinken von Alkohol (z.B. ein Glas Rotwein) verringert. Das Ansprechen auf Alkohol kann auch für Ärzte ein Hinweis bei der Ersteinschätzung sein, dass es sich um einen essentiellen Tremor handelt.

Die Ausprägung des essentiellen Tremors ist am Anfang meist geringer, im Laufe der Erkrankung wird das Zittern stärker. Die Frequenz des Tremors ist zu Beginn höher und die Amplitude niedriger – später kann es dazu kommen, dass sich die Frequenz verringert und die Amplitude zunimmt; es wird also langsamer, dafür stärker gezittert.

Je nach Ausprägung kann ein essentieller Tremor Betroffene im Alltag einschränken, doch es gibt auch PatientInnen, die ohne große Einschränkungen durch das Zittern ihren Alltag schaffen, weil der Tremor nicht so stark ausgeprägt ist. Für den essentiellen Tremor gibt es keine Heilung, jedoch gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten, um das Zittern einzudämmen, wenn es zur Belastung wird.


Behandlung von essentiellem Tremor

Therapiert wird der essentielle Tremor in der Regel mit Betablockern. Sie gehören zu einer Substanzgruppe, die ursprünglich gegen Bluthochdruck eingesetzt wurde. Durch die Einnahme von Betablockern beruhigt sich das Zittern, daher fallen alltägliche Tätigkeiten erheblich leichter. Die beiden am meisten verwendeten Medikamente sind Propranolol und Primidon. Propranolol wird meist bei jüngeren PatientInnen verschrieben, während Primidon Anwendung bei älteren findet. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Medikamenten, die auch bei Epilepsie eingesetzt werden. Bei den Medikamenten können aber auch Nebenwirkungen, wie etwa Müdigkeit, auftreten.

Tremitas TremiPen 2018-03-12

Tiefe Hirnstimualtion

Wenn der essentielle Tremor eine Stufe erreicht hat, die sich nicht mehr mit Medikamenten behandeln lässt und die Erkrankung den Alltag zunehmend erschwert, besteht die Möglichkeit der Tiefen Hirnstimulation. Bei diesem operativen Eingriff werden winzige Elektroden in den Bereich des Gehirns eingesetzt, in dem der Tremor seinen Ausgang nimmt. Ein Impulsgeber, der über Kabel mit den Elektroden verbunden ist, wird unter dem Schlüsselbein unter die Haut implantiert. Die Funktion ist ähnlich wie die eines Herzschrittmachers: Der Impulsgeber gibt Impulse an den Thalamus ab. Diese Hirnregion ist zuständig für die unbewusste Steuerung willkürlicher Bewegungen; der Thalamus ist für die Überaktivität der Muskulatur verantwortlich, die sich dann wiederum als Tremor zeigt.


1Louis ED. Clinical Practice. Essential tremor. N Engl J Med 2001;345:887-91
2siehe FN 1


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